Home > Medizin > 121. Deutscher Ärztetag kippt ausschließliches Fernbehandlungsverbot

Vorhang auf für die Fernbehandlung (Quelle: obs/TeleClinic)

Auf dem Deutschen Ärztetag wurde gestern der Weg für Fernbehandlungen in ganz Deutschland freigemacht. Die rund 76 Millionen* Patienten in Deutschland erhalten damit Zugang zur ärztlichen Behandlung via App, PC oder Telefon. Ein Ausweichen auf kostenpflichtige Anbieter aus dem Ausland ist damit nicht mehr notwendig.

Der Wegfall langer Wartezeiten auf Arzt-Termine oder in Wartezimmern wird die Versorgungsqualität signifikant erhöhen", sagt Katharina Jünger von TeleClinic und kündigt an: "Wir stehen unter anderem in Verhandlungen mit kassenärztlichen Vereinigungen, um allen Patienten in Deutschland möglichst schnell die kostenlose Fernbehandlung zu ermöglichen. Von anderen Modellen entscheiden wir uns im Wesentlichen darin, dass wir mit Kostenträgern kooperieren und Patienten Fernbehandlungen als Versicherungs- und Kassenleistung ermöglichen".

Die rund 200 TeleClinic-Ärzte bieten bereits seit 2016 telemedizinische Fernberatungen. Seit Oktober 2017 sind auch Fernbehandlungen in Baden-Württemberg erlaubt. "Die Entscheidung auf dem Ärztetag bestätigt unseren Ansatz. Wir sind kein kommerzielles Angebot, das Ärzten hierzulande Konkurrenz macht. Vielmehr ermöglicht TeleClinic deutschen Ärzten, über seine Plattform Fernbehandlungen anzubieten. Grundsätzlich sind dabei auch eRezepte möglich. Privatversicherte können diese in Baden-Württemberg bereits erhalten. Wir können schnell hochskalieren und rechnen mit einem enormen Wachstum für die mit uns kooperierenden Ärzte", sagt Jünger. Von einer Abwanderung ins Ausland, um hierzulande geltende Regelungen zu umschiffen, hält sie nichts: "Innovationen sollten gemeinsam mit der Ärzteschaft, den Kostenträgern und den Apotheken realisiert werden. Wir stehen für eine Fernbehandlung mit Augenmaß."

Jünger geht davon aus, dass künftig ein nicht unbedeutender Teil der jährlich 700 Millionen Behandlungsfälle** rein online abgewickelt werden könnte. Erfahrungen aus der Schweiz haben gezeigt, dass rund ein Drittel aller telemedizinischen Arztkonsultationen abschließend online abgewickelt werden können: "Dafür brauchen wir aber keine Callcenter. Das würde im Ergebnis zu einer Zwei-Klassen-Ärzteschaft führen. Wir setzen auf die niedergelassenen Ärzte, die über uns ohne Investitionen in teure Software Fernbehandlungen anbieten können", erläutert Jünger.

Allerdings mahnt sie: "Wem es mit einer Modernisierung des Gesundheitswesens ernst ist, der wird um das eRezept auf Dauer nicht herumkommen. Die Fernbehandlung wird vor allem dann für Deutschland ein Erfolg, wenn die Patienten auch digitale Rezepte erhalten können." Dass das rechtskonform in Deutschland möglich ist, hat TeleClinic bereits bewiesen: Das Gesundheitsministerium Baden-Württemberg hat dem Start-up die Genehmigung für eRezepte erteilt.

Die bundesweite Umsetzung der Fernbehandlung wird nach Jüngers Einschätzung schnell gehen: "Baden-Württemberg hat den Anfang gemacht und Schleswig-Holstein ist bereits nachgezogen. Wir glauben nicht, dass es im Sinne der Landesärztekammern ist, ihre Ärzte im Wettbewerb gegenüber den Kollegen zu benachteiligen. Deshalb rechnen wir mit einer schnellen Adaption der Musterberufsordnung in den einzelnen Bundesländern", erklärt Jünger.

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